Schloss Suuremõisa

In Estland gibt es mehrere Orte namens Suuremõisa (Gutshof). Hiiu-Suuremõisa (Dago-Grossenhof) befindet sich im Osten der Insel Hiiumaa in der Gemeinde Pühalepa, 6 km vom Hafen Heltermaa, 18 km von Kärdla und 16 km vom Flughafen Hiiessaare entfernt. Hiiu-Suuremõisa ist eines der prächtigsten Barock-Ensembles in Estland. Heute beherbergt das Gut die Berufsschule Hiiumaa und den Kindergarten-Grundschule Suuremõisa.
Das genaue Gründungsdatum des Guts ist unbekannt. Im Mittelalter gehörte die Region Pühalepa auf Hiiumaa zum Livländischen Zweig des Deutschen Ordens. Suuremõisa wurde 1519 erstmals als Ordensgut Pühalepa erwähnt.
Im September 1563, als Hiiumaa unter schwedische Herrschaft fiel, wurde das Gut Eigentum des schwedischen Königs.
Im 17. Jahrhundert wurde das Gut sowohl als Pühalepa-Gut (Hoff Pöhilepp) als auch als Suuremõisa (Grossenhof) bezeichnet.
Der größte Teil Hiiumaas, einschließlich Suuremõisa, befand sich im 17. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie De la Gardie. Nach dem Nordischen Krieg wurde es ein Kronpachtgut unter russischer Herrschaft. Von 1755 bis 1796 gehörte es den Stenbocks, gefolgt von den Ungern-Sternbergs, die es bis 1919 besaßen, als die Republik Estland die Güter enteignete.
Das heutige Herrenhaus ließ Gräfin Ebba Margaretha Stenbock zwischen 1755 und 1760 anstelle eines älteren eingeschossigen Gutshauses mit Gewölbekellern und Holzdeckendach errichten. Spuren des Vorgängerbaus sind in einigen Kellergewölben sichtbar. Das Schloss soll ein Kinder-Schloss der Gräfin in Schweden nachahmen. Der Entwurf stammt vermutlich von Joseph Gabriel Destain, als Baumeister fungierte Peter Opel. Nach Fertigstellung des Mittelteils besuchte die russische Kaiserin Elisabeth Petrovna das Gut 1760 oder 1761.
1772 wurden eingeschossige Flügel angebaut, die einen Ehrenhof bildeten. Das Haus hatte 64 Zimmer.
Es gab unterirdische Gänge – einer führte zur Kirche Pühalepa, ein anderer zum „Schlangenkeller“ etwa 1,5 km entfernt.
Die Gebäude wurden aus lokalem Kalkstein errichtet. Bauern aus bis zu 30 km Entfernung wurden verpflichtet, und Legenden erzählen, dass Steine per Menschenkette aus dem Steinbruch Hilleste transportiert wurden. Das Gut hatte eigene Werkstätten für Tischler, Schlosser und Schmiede sowie einen Kalkofen und eine Ziegelei.
Das Herrenhaus hat ein mächtiges Walmdach. Vier schwere Schornsteine mit Gesimsen krönen den First; ursprünglich gab es auch ein Mansardgeschoss. Die Uhren an der Vorder- und Rückseite sind erhalten – ihr Schlag war bei ruhigem Wetter bis nach Kärdla zu hören.
Vor dem Haus befinden sich repräsentative Steintreppen (10 m breit), die für Kutschen zugänglich waren. Die vordere Terrasse war eine große Freitreppe mit Vasen, Postamenten und Statuen. Kanonen standen einst auf den Stufen. Die zentrale Achse der Fassade wird durch eine geschnitzte Eichentür im Barockstil betont.
Ursprünglich war die Raumaufteilung streng symmetrisch. Spätere Umbauten veränderten dies, besonders im Ostflügel.
Teile der heutigen Innenarchitektur stammen aus den 1920er Jahren, als Dorothea (Dolly) von Stackelberg das Gut besaß.
Erhaltene Elemente sind eine prunkvolle Eichentreppe im Vestibül mit Dolomitböden.
Im Erdgeschoss lagen die Wohnräume der Familie. Die Räume des Gutsherrn befanden sich rechts der Treppe, die der Gutsherrin links mit Blick auf den Park. Ihr Schlafzimmer hatte eine Geheimtür hinter einem geschnitzten Schrank – noch heute erhalten.
Weitere Sehenswürdigkeiten im Erdgeschoss sind Kachelöfen, Parkett und ein Deckenbild im ehemaligen Speisesaal mit der Inschrift: „Wer fleißig und fromm in seiner Arbeit ist, dem wird der Herr den Tisch decken.“ Fragmente des Gemäldes sind im Keller erhalten.
Der linke Flügel beherbergte die Gutskanzlei, der rechte die Räume des Verwalters.
Der Saal im Obergeschoss ist mit Stuck verziert. Links der Treppe lagen Gästezimmer, rechts Kinder- und Tutorenräume.
Der Dachboden diente als Sommerwohnung und zeitweise als Dienstbotenquartier. Verstecke zwischen den Etagen sollen Piratenbeute beherbergt haben, wie der Schriftsteller Aitsam beschrieb.
Im Keller lagen Vorratsräume und Dienstbotenunterkünfte. Hufgeklapper hier soll den Tod eines Familienmitglieds angekündigt haben.
Das Gut ist von Geistergeschichten umwoben – Stimmen, Erscheinungen und der Geist des ermordeten Kapitäns Malmi. Ein gutartiger weiblicher Geist soll ebenfalls umgehen.
Eine Legende erzählt, wie Pastor Johann Chalenius (1741–1776) einen Dämon austrieb: Er teilte einen Apfel, legte eine Hälfte auf den Tisch, die andere auf seine Brust. Als die Hälften zusammenflogen, vertrieb er den bösen Geist mit Gebeten und Kreuzen an jeder Tür und jedem Fenster.

