
Adresse:
Sangaste mõis
Sangaste loss
67005, Lossiküla,
Sangaste vald, Valgamaa
Tel: +372 5295 911
E-post: loss@sangasteloss.ee
Herrenhaus Sangaste

Im Mittelalter befand sich in Sangaste das Gut des Bischofs von Tartu. Ursprünglich befand es sich auf dem Keeni-Burgberg (erstmals 1287 erwähnt) und wurde in den folgenden Jahrhunderten an den heutigen Standort verlegt. Während der polnischen Herrschaft war das Gut Staatseigentum (im Besitz des Königs), wurde aber 1626 nach der Übernahme durch die Schweden von König Gustav II. Adolf an Christoph Rasky verschenkt.
Im Jahr 1723 schenkte der russische Kaiser Peter I. das Gut General Golovin. Im 18. Jahrhundert wechselte das Gut mehrfach den Besitzer, bis es 1808 in den Besitz der Familie von Berg überging. Die Familie von Berg behielt den Gutsmittelpunkt bis zur Umsiedlung im Jahr 1939.
Das in den 1870er–1880er Jahren von Friedrich von Berg repräsentativ ausgebaute Gut ist eines der schönsten und eigenartigsten in Estland. Das überwiegend zweistöckige, gegliederte Hauptgebäude wurde auf Wunsch des Gutsherrn vom Architekten Otto Pius Hippius entworfen. Das 1883 fertiggestellte historistische Gebäude ist sehr gegliedert und weist starke neogotische Einflüsse auf. Die Fassade ziert ein vierstöckiger Turm mit Zinnen. Das Erdgeschoss des Turms ist ein offener, gewölbter Raum mit einer besonderen Akustik — ein Flüstern in einer Ecke ist in der anderen Ecke zu hören. Kleine Türmchen befinden sich an mehreren Stellen des Gebäudes.
Besonders schön ist der große Saal, in dem sich gotische Elemente mit orientalischen Gestaltungselementen verbinden. Man findet dort sowohl ein gotisches Sterngewölbe als auch Nischen im orientalischen Stil. Der Hauptteil des Saals ist achteckig und wird durch eine achteckige Laterne im Dach beleuchtet. Auf einer Seite befindet sich eine Innenempore. Die Rückfassade ist mit Spitzbogenfenstern, Zinnengiebeln und Türmchen geschmückt. Auch das Foyer, der Speisesaal (Jagdsaal) und die Bibliothek sind prachtvoll. Das gewölbte Foyer besitzt dekorative Wandtafeln. Der Speisesaal ist im englischen Stil mit dunklen Wandpaneelen und Kassettendecke gestaltet. Im zweiten Stock des Turms befindet sich die Bibliothek mit originalen Wandschränken; im vorgelagerten Lesesaal stehen wunderschöne Kachelöfen mit Kobaltblau-Malereien. Am linken Gebäudeteil befand sich ein kleines Wintergarten-ähnliches Gewächshaus mit Glasdach, das jedoch nicht erhalten geblieben ist.
Auch viele Nebengebäude wurden im Stil des Hauptgebäudes gestaltet. Besonders repräsentativ sind der an eine mittelalterliche Burg erinnernde Stallkomplex sowie ein kleiner Wasserturm. Hinter dem Hauptgebäude, auf der anderen Seite des Teichs, befindet sich ein artenreicher Waldpark.
Das Gut blieb bis 1939 im Besitz der Familie von Berg. Zu Sowjetzeiten diente es sowohl als Ferienheim als auch als Pionierlager. Heutzutage kann das Gut für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden – Seminare, Konferenzen, Feiern usw. Auch Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden. Weitere Informationen: http://www.sangasteloss.ee/, info@sangasteloss.ee, Tel. 767 9300.
Der letzte Besitzer des Guts, Friedrich von Berg (1845–1938), war ein bekannter Pflanzenzüchter. Ende des 19. Jahrhunderts züchtete er die Roggensorte „Sangaste“, die sehr gut an die örtlichen Bedingungen angepasst war. Friedrich von Berg war auch einer der ersten Autobesitzer Livlands und ein Pionier des Automobilwesens in Südestland.
Historisch gehörte das Gut zur Kirchengemeinde Sangaste im Kreis Tartu; heute liegt es im Kreis Valga auf dem Gebiet der Gemeinde Sangaste.
