Baj Pomorski Theater in Toruń

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Die Geburt des Theaters
Das Puppentheater „Baj Pomorski“ verdankt seine Entstehung Irena Pikiel-Samorewiczowa. Im April 1945 kam sie als Repatriierte aus Wilna nach Bydgoszcz (Bromberg) mit einem Dokument des Ministeriums für Kultur und Kunst vom 1. April 1945, das sie zur Gründung des ersten Puppentheaters in Pommern ermächtigte. Es sollte ein kleiner Bruder des Warschauer „Baj“ sein, daher der Name „Baj Pomorski“. In Bydgoszcz erhielt das Theater den Saal des städtischen Schlachthofs, in dem während der Besatzungszeit ein deutsches Marionettentheater untergebracht war. Am 28. Oktober 1945 fand die erste Premiere für Kinder statt – Vom Schneider Wanderburschen von Ewa Szelburg-Zarembina. Die Bedingungen der Bühne in Bydgoszcz entsprachen jedoch nicht den Bedürfnissen des jungen Puppentheaters. Daher nahm I. Pikiel das Angebot, das Theater nach Toruń zu verlegen, gerne an. Bereits im April 1946 erhielt „Baj Pomorski“ ein Gebäude in der Piernikarska-Straße 9, das während des Krieges dem deutschen Schlosstheater gehörte. An diesem malerisch gelegenen Ort nahe der Ruinen der mittelalterlichen Kreuzritterburg wirkt das Theater bis heute – also seit über sechzig Jahren.
Die ersten Schauspieler von „Baj Pomorski“ waren Studierende der Nikolaus-Kopernikus-Universität, die unter der Anleitung erfahrener Schauspieler und Regisseure Theaterworkshops absolvierten und die Geheimnisse der Puppenanimation erlernten. Die Arbeitsbedingungen waren nicht einfach. Das Theater verfügte über bescheidene technische Ausstattung und betrieb intensive Gastspieltätigkeit nicht nur in Pommern, sondern fast in ganz Polen. Nach weniger als zwei Jahren drohte dem Theater mit dem Weggang von I. Pikiel nach Warschau die Schließung. Gerettet wurde es von Joanna Piekarska, die nach der Gründerin die Leitung übernahm. „Baj Pomorski“ konnte bereits erste Erfolge verbuchen. Das Häuschen der Katze, inszeniert von Piekarska, erhielt 1950 den 3. Preis beim 1. Festival für russische und sowjetische Kunst in Warschau. Dieser Erfolg und die aktive Theaterarbeit führten zur Verstaatlichung der Bühne in Toruń. Damals bedeutete das einerseits finanzielle Stabilität, andererseits jedoch auch den Verlust kreativer Freiheit, denn fortan mussten die Regeln der sozialistischen Kulturpolitik bei der Auswahl und Planung von Stücken beachtet werden.
Direktoren:
Die folgenden Direktoren leiteten das Theater: Stanisław Stapf (1950–1960), Leszek Śmigielski (1960–1972), Tadeusz Petrykowski (künstlerischer Leiter 1972–1979) – in dieser Zeit waren Eugeniusz Synak (1972–1976) und Karol Mroziński (1976–1979) Generaldirektoren, Konrad Szachnowski (1979), Antoni Słociński (1980–1988), Krzysztof Arciszewski (1988–1992), Wojciech Olejnik (1992–1993), Czesław Sieńko (1993–2003). Seit dem 1. August 2003 ist Zbigniew Lisowski Direktor des „Baj Pomorski“. Jeder dieser Direktoren hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Geschichte der Puppenbühne von Toruń.
Reifezeit und Blüte
Die künstlerische Reifezeit von „Baj Pomorski“ fiel in die Amtszeit von Stapf. Er modernisierte das Theater grundlegend, sodass es zu einer der am besten ausgestatteten Bühnen Polens wurde. Er realisierte die erste Erwachsenenpremiere in der Geschichte des Hauses – die polnische Puppentheaterpremiere von Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare – und rief das Festival der Puppentheater Nordpolens ins Leben, das erste seiner Art in Pommern.
Die 1960er-Jahre unter Śmigielski brachten eine Profiländerung – von einer traditionellen Puppenbühne hin zu einem Theater, das neue Ausdrucksformen suchte und sich dem kulturellen Leben von Toruń öffnete. In dieser Zeit entstanden die meisten Uraufführungen in der Geschichte des Theaters, es wurden ambitionierte Inszenierungen geschaffen, die von der Volksbühnentradition inspiriert waren, sowie moderne Werke regionaler Autoren umgesetzt. Der damals gegründete Künstlerclub „Azyl“ war ein einzigartiges Phänomen in ganz Polen und machte „Baj Pomorski“ zum Zentrum des kulturellen Lebens in Toruń.
T. Petrykowski intensivierte die Zusammenarbeit mit ausländischen Theaterensembles, u. a. aus Tschechien und Rumänien, und erweiterte die Teilnahme an polnischen Puppentheaterfestivals.
K. Szachnowski schrieb Theatergeschichte mit modernen Inszenierungsideen klassischer Werke. Seine Puppenuraufführung von Celestina nach Fernando de Rojas ging als innovativer Einsatz von Obermarionetten und Jahrmarkttheater in die Annalen des polnischen Puppentheaters ein.
Die acht Jahre unter A. Słociński waren geprägt vom Ausbau der Theaterpädagogik für Kinder. Das Theater nahm an internationalen Festivals teil und intensivierte die Zusammenarbeit mit Theatern in Deutschland (besonders in Göttingen, Toruńs Partnerstadt) und Tschechien.
Die folgenden Direktionen von K. Arciszewski und W. Olejnik setzten das zuvor entwickelte Profil fort. Eine bedeutende Änderung war 1992 die Umwandlung in eine städtische Institution, finanziert durch das Rathaus Toruń, sowie die Namensänderung von „Staatliches Puppen- und Schauspieltheater Baj Pomorski“ zu „Theater Baj Pomorski“.
Unter der Leitung von Cz. Sieńko entwickelte sich das Theater weiter in Zeiten der demokratischen Stabilisierung, struktureller Veränderungen in der Verwaltung und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbrüche. Ins Repertoire kamen Adaptionen bedeutender Kinder- und Jugendromane, erstmals auch moderne europäische Kinderliteratur. Innovative Bühnenbilder forderten die Zuschauer zu aktiver Teilhabe auf. Die Aufführungen von „Baj Pomorski“ wurden mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, u. a. mit den Qualitätssiegeln der ASSITEJ. 1994 rief Sieńko die „Toruńer Puppentheater-Begegnungen“ ins Leben, die 1999 in ein internationales Festival umgewandelt wurden.
Das Festival, das jährlich im Oktober stattfindet, zählt zu den wenigen dieser Art und Größe in Polen. Eine Woche lang treten Theatergruppen aus aller Welt an, darunter Meister der Puppenspielkunst, Traditionspfleger und experimentierfreudige Ensembles im Bereich des Figurentheaters.
Neues Gebäude, neue Herausforderungen
Der aktuelle Direktor von „Baj Pomorski“, Zbigniew Lisowski, hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein engagiertes Theater zu schaffen, das auf die Probleme junger Zuschauer sowie aktuelle Trends reagiert. Bereits die Inszenierung Nachdenken erwünscht (Premiere 01.02.2004) befasste sich auf originelle Weise mit Themen wie Freiheit und ihren Grenzen, Kommunikationsstile sowie Möglichkeiten und Grenzen der Sprache. Weitere Inszenierungen erweiterten den Dialog um Themen wie Einsamkeit, Toleranz, Fantasie, Träume und Liebe. Ein wichtiger Teil des Repertoires sind auch Stücke für Jugendliche und Erwachsene.
Lisowski legte großen Wert auf Theaterpädagogik: Das Angebot an Theaterstunden, Lehrerprojekten („In der Welt des Theaters“), Workshops und Wettbewerben wurde stark ausgebaut.
Mit der Übernahme des Theaters stellte sich Lisowski auch der Aufgabe, die seit Jahren geplante Modernisierung und den Umbau des Gebäudes umzusetzen. Die Zusammenarbeit von Architekten und Bühnenbildner Pavel Hubička führte zu einem außergewöhnlichen Konzept: einem „magischen Schrank“, der gotische Architektur mit modernen Lösungen verbindet.
Zwischen Juli 2005 und November 2006 wurden alle Bau- und Modernisierungsarbeiten durchgeführt, und am 5. November 2006 wurde das neue Gebäude des „Baj Pomorski“ eröffnet. Die Investition wurde kofinanziert durch die Europäische Union (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) sowie den Staatshaushalt im Rahmen des Integrierten Regionalen Entwicklungsprogramms. Das neue Gebäude wurde als eines der interessantesten Theaterbauten Polens bezeichnet. Das Projekt erhielt eine Nominierung für den TVP-Kulturpreis in der Kategorie „Kultur für Kinder und Jugendliche“ (2006) und wurde als Bauwerk des Jahres der Stadt Toruń für die Revitalisierung ausgezeichnet.
Mit dem neuen Gebäude erhielt „Baj Pomorski“ zahlreiche neue Möglichkeiten zur Umsetzung innovativer Produktionen und zur Weiterentwicklung seiner Bildungs- und Sozialprogramme. Moderne technische und elektroakustische Lösungen ermöglichen den Einsatz neuester Multimedia- und Inszenierungstechniken – ein herausragendes Beispiel ist die Produktion Afrikanische Geschichte, oder Tiger Pietrek (Premiere 01.04.2007, Regie: Z. Lisowski).
Das Theater erweiterte sein soziales Engagement stark, u. a. mit Programmen für Menschen mit Behinderungen.

